25. Oktober 2018

Working Poor in der Schweiz: wer und wieso?

Die Hauptgründe für Erwerbsarmut sind – nebst dem Faktor Lohn – ein tiefes Arbeitsvolumen sowie ein hoher Mittelbedarf bestimmter Haushalte. Kinder und Scheidung erhöhen das Armutsrisiko zusätzlich. Noch ist das Phänomen Working Poor wenig untersucht.

In der Erwerbsbevölkerung sind bestimmte Gruppen viel stärker als andere von Einkommensarmut und materieller Entbehrung betroffen: Geringqualifizierte, Nicht-Europäer, Selbständigerwerbende ohne Angestellte, Personen unter 40 Jahren und Einelternhaushalte. Ein neuer Artikel für die Reihe Social Change in Switzerland analysiert das Ausmass von Erwerbsarmut in der Schweiz und zeigt die Mechanismen auf, die dazu führen. Erwartungsgemäss spielt das Gehalt eine zentrale Rolle. Doch ebenso stark wirken sich das Pensum sowie atypische Beschäftigungsbedingungen (temporär, auf Abruf usw.), der materielle Bedarf, die Anzahl Kinder oder eine Scheidungssituation aus. Je nach Referenzgrösse ist von einer Viertel- bis nahezu einer halben Million Working Poor auszugehen.
Um nachvollziehen zu können, warum bestimmte Beschäftigungsgruppen stärker dem Armutsrisiko ausgesetzt sind, wurden die Mechanismen untersucht, die in der Schweiz zu Erwerbsarmut führen. Den grössten Einfluss scheint ein unterdurchschnittliches Arbeitsvolumen zu haben, welches zumeist mit im Haushalt lebenden Kindern verbunden ist. Dieser Faktor wirkt sich ab einem Kind pro erwachsene Person zusätzlich benachteiligend aus. Und in dieser Kausalkette wird das Armutsrisiko durch einen oft geringen Stundenlohn verschärft. Entlastend wirken hingegen Sozialtransfers, welche die Anzahl armutsbetroffener Erwerbstätiger halbieren.

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